Der Reportage-Podcast des DBSV
00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu Low Vision Stories, dem Reportage-Podcast des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands.
00:00:28: Hier erzählen wir Geschichten von blinden und sehbehinderten Menschen authentisch, nabber und mitten aus dem Leben.
00:00:37: Dafür besuchen wir die verschiedensten Persönlichkeiten und begleiten sie ein Stück auf ihrem Weg.
00:00:44: Ich bin Christian, und freue mich dass ihr heute dabei seid!
00:00:49: Heute treffe ich Maike Naomi Schwarz.
00:00:52: Sie ist Profi-Schimmerin mit einer Seebehinderung hat bereits einen drei Paralympischen Spielen teilgenommen und lebt ihren Traum vom Leistungssport.
00:01:08: Beim heutigen Training mit dabei ist auch Maikes Treuerbegleiter Jumper.
00:01:12: Ihr Führhund, ein dunkelbrauner Labrador!
00:01:15: Ich bin Maike, Maike Naomi Schwarz.
00:01:17: Ich bin Paarerschwimmerin, ich war ein dreißig Jahre alt und habe eine Sehbehinderung einer sogenannten Zapfenstäbchendistrophie.
00:01:26: Mein Hauptberuf ist eigentlich, dass ich Schwimmerin seitdem ich geboren bin.
00:01:34: Und ja, hab das Glück, dass ich damit mein Geld verdiene und durfte meinen Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf machen.
00:01:43: Zu deiner Seebehinderung – wie macht die sich in deinem Alltag bemerkbar?
00:01:47: Die Binderung macht sich eigentlich im Jahr twenty-seven bemerker, angefangen vom Träumen.
00:01:51: Mein Träum hat sich extrem umgestellt.
00:01:53: am Anfang als ich relativ frisch sehbehindert war sag' ich mal, habe ich noch relativ sehend geträumt mittlerweile eigentlich nicht mehr.
00:02:01: Ich träume Ich weiß gar nicht, weniger in Bildern als in Tönen und irgendwie Gefühlen.
00:02:09: Ja ich stehe auf, muss genau aufpassen wo ich hintrete damit dich nicht irgendwo gegenlaufe.
00:02:13: also meine Beine sehen voller blauer Flecken aus.
00:02:16: Ich habe eine sprechende Waage um mein Essen abzuwiegen, ich hab ne sprechente Körperwage um mich zu wiegen!
00:02:20: Ich hab überall kleine so Nobsis an unserem Herd und so um irgendwie in der Küche klarzukommen.
00:02:27: Es geht alles aber es ist alles mit sehr viel Trickserei verbunden.
00:02:33: Wo sind wir denn jetzt gerade hier und was ist unser Plan für heute?
00:02:37: Wir befinden uns in der Schwimmhalle am Impotsdam, am Luftschiffhafen, am Olympia-Stützpunkt.
00:02:42: Gefühlt verbringe ich je mehr Zeit als in meinem eigentlichen Hause!
00:02:46: Und der Tag wird sich so gestalten... Ich werde mich gleich umziehen gehen und dann springen wir ins Wasser.
00:02:50: Heute steht eine relativ intensive Serie drauf und im Anschluss ans Training werden wir zur Physiogen.
00:02:59: Dort werde ich mich behandeln lassen.
00:03:00: Ich habe seit so ein, zwei Wochen Probleme mit meinem Nacken auch durch die Seebehinderung bedingt.
00:03:05: Dadurch dass man ja doch immer in so einer Fehlhaltung
00:03:08: ist.".
00:03:09: Während Maike sich umzieht werfe ich schon mal einen Blick in die Schwimmhalle.
00:03:14: Es ist halb neun am Morgen und hier herrscht bereits Rägerbetrieb.
00:03:19: Im Wasser ziehen die Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Bahnen Am Beckenrand beobachten Trainer das Geschehen Auf einem Bildschirm wird die Technik eines Sprungs analysiert während aus den Lautsprechern Musik zu hören ist.
00:03:33: In der Halle trainieren Sportlerinnen und Sportler, sowohl mit als auch ohne Behinderung.
00:03:39: Die meisten Bahnen sind schon belegt.
00:03:42: Bevor Maike also überhaupt mit dem Training beginnen kann, muss sie erst einmal eine freie Bahn finden.
00:03:48: Jemand
00:03:53: ist auf meiner Bahn, ich muss mal kurz klären.
00:04:03: Aber danke!
00:04:04: Welche Seite ist die Person?
00:04:07: Sie kommt von links.
00:04:11: Jetzt, wo sie eine Bahn für sich gefunden hat, kann Maike ihr Training vorbereiten.
00:04:16: Doch wie orientiert sie sich eigentlich im Wasser mit ihrer Seebehinderung?
00:04:21: Maike erklärt mir, wie sie dabei vorgeht.
00:04:23: Ich orientiere mich mit der Schulter an.
00:04:25: alleine also ich versuche immer so ein bisschen Kontakt mit der schulter zu suchen stoppt natürlich und es kostet Zeit, deswegen versucht man das so gut ist geht zu vermeiden.
00:04:36: Es lässt sich aber nicht vermeiden, das ist meine Art von Orientierung.
00:04:40: Ich muss dazu sagen Übung macht den Meister, ich weiß mittlerweile wie man schwimmt.
00:04:45: Ich schwimme jetzt schon ein paar Jahrzehnte, muss man ja leider sagen und deswegen hat man irgendwann so einen Gefühl dafür, wie man gerade ausschwimmt.
00:04:53: Deswegen würde ich sagen bin ich relativ gut da drin auch mal einige Meter zu schwimmen ohne dass ich die Orientierung durch meine Schulter brauche.
00:05:02: Aktuell trainiert Maike ohne Trainer.
00:05:05: Wegen zweier Operationen musste sie mehrere Monate mit dem Schwimmen pausieren.
00:05:11: Jetzt arbeitet sie sich Schritt für Schritt zurück zu ihrer frühen Form.
00:05:15: Seit vier, fünf Jahren leide ich an chronischen Schmerzen eigentlich und ja... habe mich da so ein bisschen irgendwie durchgefuchst.
00:05:23: Das hat echt eine ganze Weile gedauert, bis irgendwie die Diagnose kamen weil ich hab mich halt gar nicht mehr wie ich selbst geführt.
00:05:29: Ich kam keine Treppen mehr hoch.
00:05:30: Ich konnte mich nicht mehr bewegen ohne dass sich Schmerzen hatte.
00:05:32: Ich hatte gerade nach dem Training immer solche Schmerze und die Beine waren so dick und immer blau und so.
00:05:38: und irgendwann kam dann halt raus das es ein Lipidem ist.
00:05:40: und dann habe ich mich dieses Jahr dazu entschieden zwei Operation zu machen und das halt an den Beinen entfernen zu lassen und bin super super happy seit Jahren auf einmal wieder beschwerdefrei.
00:05:50: Also ich habe keine Schmerzen mehr, das ist ganz
00:05:51: ungewohnt.".
00:05:53: Bei einem Lipidem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung die vor allem dass Unterhautfettgewebe an Beinen, Hüften und Armen betreffen kann.
00:06:03: Häufig geht es mit Schmerz und einer erhöhten Druckempfindlichkeit ein Herr.
00:06:08: An einem Lipideem erkranken fast ausschließlich Frauen.
00:06:12: Nach der längeren Trainingspause kann Maike nun wieder mehr Energie in ihre sportlichen Ziele stecken.
00:06:18: Dann geht es jetzt los mit Badekapper aufsetzen.
00:06:21: Erstmal die ganzen Haare verstauen und dann, wenn alles sitzt... Jetzt ist das die Brille.
00:06:39: Die kommen auch über den Kopf.
00:06:43: Badekerperbrille sitzt!
00:06:45: Und jetzt packe ich mal mein ganzes Material, was ich gleich für die Trainingsanwärtsaufe mal an Beckenrand und
00:06:54: ab ins Wasser.
00:07:01: Für ihr Training hat Maike eine ganze Menge Ausrüstung dabei.
00:07:05: Neben Schwimmbrille, Badekappe und Flossen zum Paddeln mit den Beinen gehören auch ein Schwimmbrett um die Beine zu isolieren und einen Nasenklammer damit kein Wasser in ihre Nase läuft dazu.
00:07:19: Außerdem nutzt sie unter Wasserkopfhörer und einen Sensor mit dem Sie ihren Puls misst.
00:07:25: Da sie aufgrund ihrer Seebehinderung während des Schwimmens nicht die Uhr lesen kann verwendet sie einen kleinen Timer, der ihr per Vibration ihre Zeitintervalle angibt.
00:07:35: Nach einiger Zeit ergibt sich am Beckenrand die Gelegenheit mit Maike über ihr Training zu
00:07:39: sprechen.".
00:08:01: Also der Untergrund ist für mich eine graue Masse und ab und zu blitzt mal ein bisschen was von der Farbe, von den Leinen auf.
00:08:12: Und ansonsten erkenne ich wenn die Leute nah genug an mir dran sind wie so ne Art Schatten.
00:08:18: Wenn Menschen irgendwie um mich drum herum schwimmen aber am Ende ist es eigentlich ja eine grauen Masse.
00:08:26: Und woran merkst du dass die Wende kommt?
00:08:29: Im Wettkampf werde ich geteppt, weil ich da einfach eine viel höhere Geschwindigkeit natürlich schwimme und wenn dann wie gesagt auch noch eine gewisse Ermüdung dazu kommt.
00:08:39: Am Ende ist das ein langer Stab, den man sich vorstellen kann, wo vorne so einen Schaumstoffball dran ist, wo der Trainer oder die Trainerin mir einen Signal hinten auf die Schulterblätter gibt damit ich weiß okay noch anderthalb Züge und dann kommt die Wände bzw.
00:08:50: dann kommt der Anschlag.
00:08:53: Im Training ist es unterschiedlich.
00:08:54: Wenn die Bedingungen vom Lichtverhältnissen ganz gut sind, kann ich manchmal noch den roten Bereich erkennen, weil das eine sehr prägnante Farbe ist und weiß dann, dass in vier Zügen die Wand kommt.
00:09:05: Ansonsten bin ich ganz ehrlich, ist es ne Mischung aus.
00:09:07: Ich zähle Züge also ich weiß genau wie viele ZüGE ich brauche Und einem gewissen Gefühl was sich natürlich entwickelt hat einfach durch die.
00:09:15: ja durch die Erfahrung.
00:09:17: Besonders gern schwimmt Maike die einhundert Meter Freistil.
00:09:21: Hierbei nutzt sie die Kraultechnik.
00:09:24: Dafür zieht Maike einen Arm nach dem anderen über den Kopf durch das Wasser zurück an ihrem Körper vorbei.
00:09:32: Ihre persönliche Bestzeit auf dieser Strecke liegt bei ... Ich glaube, du hast es ja schon dreimal zu den Paralympics geschafft und hast auch schon einmal auf den zweiten Platz geschafft.
00:09:46: Kannst Du beschreiben wie sich das anfühlt?
00:09:50: Also generell bei den Spielen dabei zu sein, ist wie so eine eigene kleine Welt in die man eintaucht.
00:09:54: Man wohnt ja in so einem Dorf mit ich weiß nicht mit wie vielen anderen Leuten die irgendwie alle ein und dasselbe Ziel haben nämlich seine also die bestmögliche Leistung an Tag X irgendwie her
00:10:05: abzurufen.
00:10:06: das Er schafft so ein ganz krasses Gemeinschaftsgefühl einfach, wenn so ganz viele Nationen mit einem gleichen Gedanken aber zusammenkommen.
00:10:15: Also ich habe echt immer wieder Probleme daraus dann zu kommen und in meine eigene... also in unsere eigentliche Welt wieder einzutauchen Und dieses Gefühl natürlich bei den Spielen irgendwie auf dem Podest stehen.
00:10:26: das ist unbeschreiblich weil da einfach jahrelange Arbeit in diesem einen Moment zusammenkommen und dann glücklicherweise irgendwie Ja, man hat einen perfekten Moment erwischt.
00:10:38: Wie viel Arbeit hinter Maikes sportlichen Leistungen steckt, zeigt schon ihr Trainingspensum.
00:10:45: Im Schnitt trainiert sie acht bis neunmal pro Woche im Wasser.
00:10:50: Dazu kommen vier bis sechs weitere Einheiten außerhalb des Schwimmbäckens – etwa Kraft-, Kadeo- und Stabilitätstraining.
00:10:59: Doch auch bei einer Profi-Sportlerin läuft nicht jeder Trainingstag gleich.
00:11:04: Manchmal fehlt die Energie Kostet es Überwindung, trotzdem weiterzumachen.
00:11:13: Ey!
00:11:14: Es gibt Tage, die einfach nicht flutschen.
00:11:18: Aber ist okay, die gehören dazu.
00:11:20: Warum hat's nicht geflutscht?
00:11:22: Woran merkst du
00:11:26: das?
00:11:26: Ich hab gestern eine relativ intensive Laufeinhalt gemacht und ich merke halt meine Muskeln gerade in den Beinen sind ziemlich dicht Und normalerweise ist ja das Schöne am Stimmen, dass man sich relativ schwerelos und leicht fühlt.
00:11:40: Jetzt fühle ich mich eher wie so als hätte man mir einen Bleigürtel noch ungebunden.
00:11:43: also ich bin sehr schwerfällig.
00:11:45: Ich habe gemerkt bei den intensiven Zets ich komme von der Frequenz ja nicht so richtig hoch.
00:11:51: Also es fällt mir sehr schwer gerade mein Körper so schnell zu bewegen.
00:11:54: Ich merke ich komme in die Belastung nicht so rüchtig rein weil davor muskulär schon zugeht bevor ich den Pult so richtig Hoch bekomme.
00:12:00: Aber das ist okay!
00:12:01: Ich weiß ja wohin es liegt.
00:12:06: Wichtig ist, dass man
00:12:07: es am Ende irgendwie trotzdem durchzieht.
00:12:11: Nach dem Schwimm-Training holen wir Zunächst Jumper ab.
00:12:13: Während Maike im Wasser war, durfte er sich in der Kabine der Bademeisterin ausruhen.
00:12:19: Danke für die Funde.
00:12:19: Sehr gerne!
00:12:21: Ich geb dir alles.
00:12:22: Okay, danke schön.
00:12:23: Na mein Engel?
00:12:26: Dann geht's für Maike unter die Dusche.
00:12:28: Jumpper begleitet sie in die Umkleide und danach machen wir uns auf den Weg zur Physiotherapie.
00:12:34: Wenn du an neue Schwimmhallen kommst, wie funktioniert bei dir da die Orientierung?
00:12:39: Oha schwierig.
00:12:40: Also wenn ich in neue Schwimnhallen gehe dann habe ich auf jeden Fall Jumpy immer dabei oder jemanden der mich erstmal führt weil da weiß ich natürlich erst mal gar nicht wo sind die Umkleiden, wo ist das Schwimmbäcken, wo sind Stufen und Rampen oder so.
00:12:55: also da muss ich mich einmal rumführen lassen.
00:12:58: Ich glaube, dass mein Gedächtnis da relativ gut funktioniert.
00:13:01: Dass ich mir das immer relativ schnell merke.
00:13:03: Dadurch, dass sich auch einfach nicht immer auf Hinläufer angewiesen sein möchte und mir dann versuche gleich irgendwie so ein Muster aufzubauen aber... Also der erste Schritt in eine ungewohnte Umgebung, da stehe ich erst mal so.
00:13:15: Mein Mann sagt auch immer, ich laufe dann ganz anders.
00:13:17: Ich lauft ein bisschen nach hinten gebeugt und nicht direkt mit dem Kopf irgendwo rein zu laufen und bin auf Spannungen.
00:13:25: Der Unterschied ist schon krass im Vergleich zu ... Ich kenne mich irgendwo aus und war halt noch nie da!
00:13:32: Dann gehen wir jetzt rein zur Physio?
00:13:33: Ja, Dampifysio!
00:13:36: In der Physiotherapiepraxis werden wir von Matthias Dietze begrüßt.
00:13:43: Mike ist langjährigem Physiotherapeutin.
00:13:45: In welchen Raum dürfen wir?
00:13:48: Okay, dann!
00:13:49: Bevor jetzt gleich die Behandlung beginnt möchte ich von Maike noch wissen wie sie mit dem Druck umgeht der zum Leistungssport dazu gehört.
00:13:58: Also früher bin ich dann eher so rumgesprungen wie so ein Flummy und habe versucht mich abzulenken.
00:14:03: Ich merke, dass die Strategie mittlerweile für mich nicht mehr so gut funktioniert sondern das es eher sowas ist... ...ich muss irgendwie so ein bisschen die Ruhe und die Mitte in mir drin finden und so ein bißchen runter kommen.
00:14:14: Ich versuche es durch Musik und durch einfach konzentrieren.
00:14:17: Die Rennen nochmal durchgehen, mich an meine Routinen zu erinnern und so.
00:14:21: Also mittlerweile werde ich eher leiser unter Nervosität und versuche ein bisschen ruhiger zu werden, währenddessen früher ich die Nervosität überspielt habe mit laut sein Nervusität rauslassen.
00:14:33: Aber das funktioniert mittlerweile nicht mehr so gut für
00:14:35: mich.".
00:14:35: Und dann startet Matthias mit der Behandlung.
00:14:39: Ja also ja, ich kann ihn komplett bewegen aber ich bin nicht beschwerdefrei.
00:14:44: Es ist immer noch so dass ich beim Drehen und immer noch hier so einen extremen Druck verspüre Und das ist auch immer noch unangenehm.
00:14:51: Aber es ist viel, viel besser!
00:14:53: Nur rechts?
00:14:53: Ja, nur rechts.
00:14:54: Mittlerweile nur noch rechts.
00:14:57: Er da?
00:14:57: Er da...
00:14:58: und dann nach da oben?
00:15:02: Ja genau.
00:15:03: Was genau machst du da gerade?
00:15:05: Erstmal mobilisieren wir bei ihr die Halswirbelsäule.
00:15:08: Speziell die oberen beiden Wirbeln weil sie nicht richtig sich mitbewegen und dann gucken wir was die Muskeln da sagen und wenn die denn immer noch nicht mitmachen wollen behandeln wir noch die Muskel.
00:15:22: Das erst mal.
00:15:23: so grob gesagt, da kann man noch ein bisschen auf die Sehen von den Muskeln gehen.
00:15:27: Die versuchen so bis hin.
00:15:29: Jetzt haben wir mal zu irritieren, dass sie wieder weniger weh tun.
00:15:36: Ja das ist jetzt erstmal Ziel.
00:15:37: und dann gucken wir mal wie weit wir kommen heute.
00:15:40: Ist es gerade schmerzhaft für dich?
00:15:42: Es geht!
00:15:43: Also es ist nicht super angenehm aber es ist auch nicht schmerzer für dich.
00:15:47: sagen also gut auszuhalten.
00:15:58: Nach ihrer Physiotherapie machen wir uns auf den Weg zu Maikes Wohnung.
00:16:03: Unterwegs sprechen wir über die hohen Anforderungen in ihrem Alltag.
00:16:08: Gibt es Momente, in denen du genug hast vom Schwimmen?
00:16:16: Nicht wirklich!
00:16:17: eigentlich nicht wirklich.
00:16:19: Also es gibt Momente, wo ich mal mehr zweifle oder mal mehr motiviert bin oder so aber dass sich wirklich genug habe davon nicht.
00:16:27: Im Gegenteil, ich trauere der Zeit die jetzt schon manchmal ein bisschen hinterher weil ich weiß das die in ein paar Jahren vorbei sein wird und ich merke dass ich einfach das Leben wie ich das jetzt führen darf... Ich liebe das halt!
00:16:56: Bei Maike zu Hause bekomme ich einen ganz persönlichen Einblick in ihr Leben.
00:17:01: Im Wohnzimmer entdeckee ich viele Objekte aus Japan, Kimonos, Lampen, Statuen und sogar ein Legobond sei!
00:17:11: Maike wurde in Yokohama geboren.
00:17:14: Ihre Eltern arbeiteten dort als Lehrkräfte und so verbrachte sie die ersten zweieinhalb Jahre ihres Lebens in Japan.
00:17:23: Auch das Schwimmen lernte sie dort.
00:17:26: Im Badezimmer hängen zahlreiche Medaillen.
00:17:30: Erinnerungen an Bettkämpfe und Erfolge rund um die Welt, unter anderem aus Mexiko City, Rio, Funchal, Eindhoven, Montreal, Dublin und Berlin.
00:17:45: Doch nicht nur Maike hat etwas zu zeigen!
00:17:48: Auch Jumper möchte mir sein Lieblingsspielzeug präsentieren – eine
00:17:52: Ananas.
00:17:54: Da sind auch Ananascheiben drin, die kann man rausholen.
00:18:13: Super!
00:18:14: Und jetzt
00:18:16: inchen?
00:18:18: Mike ist treuer Begleiter Jumper gegen dieses Jahr in Fürhund-Rente.
00:18:22: Bald wird ein neuer Fürhunt namens Hagu zur Familie kommen.
00:18:27: Jumpar ist ja jetzt in Rente.
00:18:29: Wie lang war noch mal aktiv?
00:18:31: Ähm ... Achtteinhalb Jahre.
00:18:33: Achttenhalb Jahre und wie fühlt es sich an, einen neuen Begleitert zu bekommen?
00:18:41: Komisch.
00:18:42: Sehr komisch!
00:18:45: Ich freue mich sehr auf den neuen Abschnitt, also auf dem neuen frischen Wind, den Hagu bei uns reinbringen wird.
00:18:52: Es fühlt sich aber auch... Ja es fühlt dich schon komisch an weil Jumpy und ich waren halt jetzt acht eineinhalb Jahre echt ein unzertrennliches Team also wo der mich überall hin begleitet hat.
00:19:02: das ist irre.
00:19:02: Also er war ja immer immer an meiner Seite.
00:19:07: Ja es ist so'n bisschen ein lachendes unter ein weines Auge.
00:19:11: Er bleibt dabei und ich werde ihn nach wie vor so oft wie möglich irgendwie bei mir haben.
00:19:16: Aber es wird natürlich viele Momente jetzt auch in der nächsten Zeit geben, wo ich ihn dann halt nicht mehr leider mit hinnehmen kann, weil er zum Beispiel ja auch nicht mehr mit mir fliegen darf und so ne?
00:19:25: Aber ... Ja das kriegen wir alles hin aber ist schon komisch.
00:19:30: also ich bin schon traurig.
00:19:31: Also es macht schon was mit mir.
00:19:34: Weil... Wir zwei halt einfach wirklich Vierundzwanzig Sieben gefühlt.
00:19:41: Michael engagiert sich ehrenamtlich im Naturschutz.
00:19:45: Tiere liegen ihr besonders am Herzen, sie unterstützt die Tierrettung Potsdam und hilft gemeinsam mit ihrem Mann Karl dabei verletzte Tiere einzusammeln.
00:19:56: Außerdem ist sie in der Meeresschutzorganisation Captain Paul Watson Foundation aktiv.
00:20:03: Michael erzählt mir auch dass ihr Mann Karl ihre Küche selbst gebaut hat Damit sie ihren Bedürfnissen entspricht.
00:20:12: Die beiden sind seit sechs Jahren verheiratet und haben sich durch den Schwimmsport kennengelernt.
00:20:18: Karl war selbst Schwimmer, hat seine aktive Karriere inzwischen aber beendet.
00:20:25: Ganz ohne sportliche Herausforderungen geht es für ihn trotzdem nicht.
00:20:29: Heute nimmt er an Triathlon- und Ironman-Wettbewerbenteil.
00:20:35: Leistungssport fordert nicht nur den Körper sondern auch die Psyche.
00:20:40: Der Druck,
00:20:41: dauerhaft
00:20:41: Leistung zu bringen mit Rückschlägen umzugehen und den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden kann eine große Belastung sein.
00:20:51: Maike hat bereits öffentlich über ihre psychischen Probleme gesprochen und damit ein Thema angesprochen das erst in den letzten Jahren überhaupt im Zusammenhang mit Spitzensport in der Öffentlichkeit thematisiert wurde.
00:21:04: Auf deinem Instagram Account hast du auch von psychischen Problemen gesprochen.
00:21:08: Wie geht es dir damit jetzt?
00:21:10: Durchwachsen, würde ich sagen.
00:21:12: Also, ich hatte eine Phase von ... ... ja, ungefähr ... ... die echt nicht so einfach war.
00:21:20: Ich hab mich von ... versucht irgendwie am Laufen zu halten.
00:21:26: Hab dann aber irgendwann gemerkt, naja, die Ressourcen gehen halt irgendwann dem Ende zu und musste dann zungenermaßen tatsächlich die Notbremse ziehen.
00:21:34: Das war keine ... Das war keine Entscheidung, sondern die Entscheidung, die hat mein Körper und meinen Geist irgendwie für mich getroffen.
00:21:42: Also ich konnte gar nicht mehr dagegen ankämpfen.
00:21:45: Hab mir dann ja von ... ... wo ich mich zurückgezogen hab was die beste Entscheidung war.
00:21:52: Ich habe diesen ganzen Prozess sehr unterschätzt.
00:21:54: Ich dachte es geht schneller.
00:21:56: Ich bin jetzt im Punkt, wo ich deutlich weiter bin Aber ich habe mich innerhalb der letzten ein, zwei Jahre davon verabschiedet ... dass es wieder genauso wird wie es vielleicht mal war.
00:22:08: Sondern das ist jetzt einfach so.
00:22:10: Ich lerne damit zu leben und das nimmt mir gerade den Druck.
00:22:14: Weil ich hab davor immer gedacht, okay, ich muss nur hart genug an mir arbeiten, dann geht's mir gut.
00:22:19: Ich bin da genauso dran gegangen als bei dem Sport.
00:22:21: Und hab dann aber relativ schnell gemerkt, wenn es um meine psychische Gesundheit oder generell die psychischen Gesundheit geht mit Druck geht das nicht.
00:22:30: Ja, also ich bin nach wie vor ein Therapie.
00:22:32: Ich bin auch nach wie vorher in psychiatrischer Behandlung.
00:22:36: Ich spreche da ganz offen drüber und nehme nach wie vorm Medikament her.
00:22:40: In diesem ganzen Prozess weiß Gott noch nicht am Ende aber ich bin zumindest schon wieder soweit dass sich an den meisten Tagen gut funktionieren kann.
00:22:53: Welche Rolle hat dabei Schwimmen gespielt?
00:22:56: Sowohl um wieder ... und dass es weitergeht, aber auch vielleicht am Anfang.
00:23:01: Das war doch ein Grund zum Beispiel?
00:23:04: Das
00:23:05: ist natürlich irgendwie immer so.
00:23:06: die Frage da gehen die Meinungen ein bisschen auseinander.
00:23:10: ich habe den Schwimm nie wirklich als Grund gesehen sondern eher als das was darunter gelitten hat weil ich das was sich halt so sehr geliebt habe oder so sehr liebe einfach nicht mehr so machen konnte wie ich das gemacht habe oder wie ich gerne machen wollen würde.
00:23:24: Ich glaube dass Schwimmen mir schon eine Struktur gibt, also dieser Sport eine Struktur und auch etwas gibt, wo es sich lohnt an mir zu arbeiten oder dran zu bleiben.
00:23:37: Aber wir befinden uns nun mal auch im Leistungssport.
00:23:41: die Weltspitze wartet nicht auf mich Die Förderungen warten nicht auf ich.
00:23:44: Also das ist halt ein sehr leistungsorientierte wo man einfach sagen muss, wenn man nicht funktioniert, dann ist man halt leider weg vom Fenster.
00:23:52: Dadurch macht der Sport mir natürlich schon mehr Druck als andere Bereiche.
00:23:58: Aber am Ende habe ich es immer so empfunden, dass mir durch meine psychische Gesundheit etwas weggenommen wurde was ich eigentlich liebe.
00:24:08: ja
00:24:10: dieser druck also wie verarbeitet man den?
00:24:14: oder wie gehst du damit um
00:24:19: Tag für Tag sehen.
00:24:20: Ich versuche mir mittlerweile nicht mehr ganz so viele Gedanken über Monate oder Jahre hinwegzumachen, sondern versuch wirklich jeden Tag ein bisschen mehr zu nehmen wie es kommt.
00:24:29: Ein bisschen geduldiger und gelassener mit mir zu sein auch manche Tage mal wo es mir zum Beispiel psychisch vielleicht irgendwie wieder nicht gut geht wo viele Sachen irgendwie zusammenkommen, mir dann vielleicht auch mal einen Tag Auszeit zu nehmen.
00:24:43: Was ich früher niemals gemacht hätte, wo ich mittlerweile aber merke manchmal ist weniger mehr.
00:24:46: Das heißt nicht dass ich fauler geworden bin oder weniger ehrgeizig sondern einfach das sich ein bisschen mehr auf meine Ressourcen halt einfach achten muss.
00:24:55: Aber das klingt jetzt alles so schön.
00:24:57: es gelingt mir immer mehr weil weniger.
00:24:59: also es ist echt... Es ist schon tough!
00:25:01: Also einfach ist es nicht.
00:25:07: ebenso häufig wie in der Normalbevölkerung.
00:25:10: Wer selbst psychisch belastet ist
00:25:13: oder
00:25:13: sich Sorgen um einen anderen Menschen macht, sollte sich Unterstützung holen!
00:25:18: In den Show-Nodes zeigen wir Anlaufstellen auf.
00:25:23: und was rät Maike?
00:25:24: Menschen mit einer Seebehinderung die selbst schwimmen möchten?
00:25:28: Sich das aber vielleicht noch nicht zutrauen?
00:25:32: Also ich verstehe total, wo diese Sorge und diese Angst herkommt.
00:25:35: Ich hatte wie gesagt das Glück, dass ich Schwimmen gelernt habe bevor es mit meinen Augen war.
00:25:39: Dementsprechend war ich schon sehr sicher im Wasser.
00:25:42: Ich verstehe aber, dass das sehr beängstigend sein kann.
00:25:47: Man begibt sich ins Wasser und hat nicht so richtig die Orientierung.
00:25:51: An sich ist Schwimmen als Sport ein sehr ... Gefühlsintensiver Sport, wo du viel fühlen musst und wo du natürlich die Augen brauchst.
00:26:00: Aber wo du vor allem ein gutes Körpergefühl brauchst, ein gutes Gefühl fürs Wasser und so... Und damit kann man echt eine Menge ausgleichen!
00:26:07: Ich verstehe diese Angst vor den Wänden und so.
00:26:09: das kann bisschen gruselig sein.
00:26:10: deswegen würde ich für den Anfang immer sagen stellt euch jemanden hin der euch einfach ne Absicherung dafür gibt.
00:26:17: Wo ist die Wand?
00:26:19: Damit man keine Angst hat sich irgendwie da weh zu tun.
00:26:22: aber an sich kann so einen Schwimm in die Leine nicht großartig verletzen.
00:26:31: Wenn man die Wänden gut absichert, ist es ein Sport, wo man durchaus sich gut und frei bewegen kann.
00:26:36: Wo man vor allem wie gesagt schwimmen ... So ein gefühliger Sport, dass wenn man das Körpergefühl dafür lernt, kann man die Augen fast zumachen.
00:26:48: Bevor Maike später weiter trainiert, lass ich sie jetzt noch ein wenig regenerieren und verabschiede mich.
00:26:56: Der Einblick in den Alltag einer Profi-Schimmerin hat mich beeindruckt, besonders faszinierend finde ich mit welcher Leidenschaft Maike vom Schwimmen erzählt.
00:27:07: Gleichzeitig wird deutlich wie viel Disziplin Zeit und Energie es kostet den Alltag ganz auf den Leistungssport auszurichten!
00:27:17: Ich nehme aus diesem Tag nicht nur einen Eindruck von Maikes Trainingsroutine sondern auch davon, was hinter ihren sportlichen Erfolgen steckt.
00:27:27: Rückschläge, körperliche Belastungen und mentaler Druck – aber eben auch große Begeisterung für das, was sie tut!
00:27:36: Das war's für heute von LowVision Stories.
00:27:39: Wenn euch die Folge gefallen hat, hört auch gerne in unsere bisherigen Folgen rein.
00:27:45: Empfehlt uns gerne weiter, schreibt uns eine E-Mail oder bewertet uns.
00:27:50: Ihr erreicht unter.
00:27:56: Auch in Zukunft erzählen wir bei LowVision Stories Geschichten von blinden und sehbehinderten Menschen.
00:28:03: Authentisch, naber und mitten aus dem Leben!
00:28:07: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
00:28:16: Bei Alex Berlin laufen die beiden Podcasts jeden letzten Freitag im Monat um sechzehn
00:29:06: Uhr.